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Utopie und Verfall: Nicaragua, Venezuela und neue Perspektiven

Apr 5, 19:00-22:00

Nica­ragua unter Daniel Ortega hat sich selbst den „progres­siven Regie­rungen“ zuge­schrieben, die im Latein­ame­rika der letzten Dekaden hege­mo­nial waren. Vorreiter dieser Bewe­gung war Vene­zuela, wo Hugo Chávez den „Sozia­lismus des 21. Jahr­hun­derts“ ausge­rufen hatte. 40 Jahre nach der sandi­nis­ti­schen Revo­lu­tion und 30 Jahre nach Chávez‘ Wahl­sieg fällt die Bilanz vernich­tend aus.

Das Regime in Nica­ragua verfolgt einen neoli­be­ralen Wirt­schafts­kurs, demo­kra­ti­sche Frei­heiten exis­tieren nur auf dem Papier, Staat und FSLN sind längst verschmolzen, ein hartes Abtrei­bungs­recht gefiel der Kirche und konter­ka­riert die Betei­li­gung von Frauen in der Revo­lu­tion. Schon länger protes­tierten bäuer­liche Gemeinden im Süden des Landes gegen den auto­ri­tären Plan der Regie­rung, einen Kanal durch Nica­ragua zu bauen. Im April 2018 begehrten dann Studie­rende gegen die repres­sive und pater­na­lis­ti­sche Ortega-Regie­rung auf. Die blutige Antwort des Regimes auf die ersten Demons­tra­tionen brachte Hundert­tau­sende auf die Straße. Seitdem wurden über 320 Menschen getötet, Tausende verletzt, Hunderten als poli­ti­sche Gefan­gene in Haft. Bis zu 60.000 Menschen sind vor der Verfol­gung des Regimes ins Exil geflohen. Menschen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen und kriti­sche Medien wurden verboten, Oppo­si­tio­nelle werden gnadenlos verfolgt.

Vene­zuela durch­lebt derzeit den vorläu­figen Höhe­punkt einer Krise, die längst alle gesell­schaft­li­chen Bereiche im erdöl­reichsten Land der Welt erfasst: Wirt­schaft­lich liegt Vene­zuela am Boden, die Gesund­heits­ver­sor­gung ist kata­stro­phal, Menschen hungern, die Boli­va­ri­sche Verfas­sung, ein Instru­ment der Demo­kra­ti­sie­rung, wurde von der Regie­rung Nicolás Maduro de facto außer Kraft gesetzt, Mit der Selbst­er­nen­nung von Juan Guaidó zum Inte­rims­prä­si­denten forciert die rechte Oppo­si­tion eine Eska­la­tion, die insbe­son­dere durch eine Inter­ven­tion der USA schnell zum Bürger­krieg werden könnte.

Mit Vilma Núñez, Mónica López Balto­dano, Yerling Agui­lera, Edgardo Lander und Raul Zelik disku­tieren wir darüber, wie es soweit kommen konnte. Warum hat die erhoffte gesell­schaft­liche Trans­for­ma­tion nicht statt­ge­funden? Welche vertei­di­gens­werten Ansätze gibt es dennoch und trotz aller Kritik, auch ange­sichts der Rechts­ent­wick­lung in der Region und einer zumin­dest in Vene­zuela drohenden mili­tä­ri­schen Inter­ven­tion? Wie lassen sich die gemachten Erfah­rungen über­setzen in neue Perspek­tiven eman­zi­pa­to­ri­scher Bewe­gungen?

Vilma Núñez, Präsi­dentin der Menschen­rechts­or­ga­ni­sa­tion CENIDH, Nica­ragua
Mónica López Balto­dano, Rechts­an­wältin und Akti­vistin bei der Arti­cu­la­ción de los movi­mi­entos sociales, Nicaragua/Costa Rica
Edgardo Lander, Professor der Sozio­loge, Mitar­beiter des Trans­na­tional Insti­tute, Vene­zuela
Raúl Zelik, Poli­tik­wis­sen­schaftler und Akti­vist, Vorstand Die Linke, Deutsch­land
Yerling Agui­lera, Dozentin und femi­nis­ti­sche Akti­vistin der Arti­cu­la­ción de los movi­mentos sociales und Coor­di­na­dora Univer­si­taria por la Justicia y la demo­cracía, Nicaragua/Spanien

Details

Datum:
Apr 5
Zeit:
19:00-22:00
Veranstaltungskategorie:
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Veranstaltungsort

Kulturmarkthalle Berlin