Geschichte des Infobüros

Histo­risch gesehen lassen sich folgende Grün­dungs­daten dieser Bewe­gung fest­halten: das erste Treffen der Nica­ragua-Soli­gruppen aus Wuppertal, Hamburg, Göttingen und Berlin im April 1978, die erste Ausgabe der Nica­ragua Nach­richten im Mai 1978, gemeinsam heraus­ge­geben von den Nica­ragua-Soli­da­ri­täts­ko­mi­tees der BRD und West­berlin, produ­ziert durch das Büro Nica­ragua in Wuppertal, und im August 1978 die formale Vereins­grün­dung des Infor­ma­ti­ons­büro Nica­ragua.

Zusammen mit nica­ra­gua­ni­schen Freun­dInnen hatten einige Wupper­ta­le­rInnen über­legt, wie der sich zuspit­zende Befrei­ungs­kampf der FSLN gegen Somoza und die provi­so­ri­sche Exil­junta unter­stützt werden könnten. Neben der allge­meinen Infor­ma­ti­ons­ar­beit über das bis dato relativ unbe­kannte Nica­ragua wurde Druck auf die Bundes­re­gie­rung ausgeübt, ihre diplo­ma­ti­schen Bezie­hungen zu Somoza abzu­bre­chen. Es begann mit Post­kar­ten­ak­tionen, einer Botschafts­be­set­zung und einem Hunger­streik. Nach dem schließ­lich erfolg­rei­chen Aufstand gegen Somoza entstanden mehr als 300 Akti­ons­gruppen und Komi­tees mit der Bereit­schaft, Aktionen und Politik über gemein­same Organe zu koor­di­nieren. Bundes­treffen wurden abge­halten, Kampa­gnen und Projekte durch­ge­führt, zentrale Spen­den­konten einge­richtet, Rund­briefe erstellt und ein Verlag, die Edition Nahua, gegründet. Als Haupt­aus­rich­tung wurde die vorma­lige Mini­mal­for­de­rung, die Besei­ti­gung der Diktatur, durch das Bestreben, das Volk von Nica­ragua zu begleiten und darin zu unter­stützen, einen selbst­be­stimmten Weg gehen zu können, ersetzt. Um 1980 flaute die Bewe­gung zwar einer­seits quan­ti­tativ ab, setzte aber ande­rer­seits örtliche und thema­ti­sche Schwer­punkte wie Alpha­be­ti­sie­rungs- und Gesund­heits­kam­pa­gnen. Die „Mühen der Ebene“ bedeu­teten für das Infor­ma­ti­ons­büro eine viel­schich­tige Ausein­an­der­set­zung mit den Themen der Revo­lu­tion und ihrer Wider­sprüche. Huma­ni­täre Hilfe wurde als poli­tisch begrün­dete Unter­stüt­zung für den revo­lu­tio­nären Prozeß gesehen. Zwar wurden dem Aufbau­prozeß auch durch inner­ni­ca­ra­gua­ni­sche Ausein­an­der­set­zungen Grenzen gesetzt, ganz beson­ders wurde er aber durch die welt­weiten Macht­ver­hält­nisse behin­dert, nicht zuletzt auch durch die Struk­turen in der BRD. So stand die Nica­ra­gu­a­so­li­da­rität vor der Aufgabe sowohl Struk­turen in der 3. Welt als auch hier zu verän­dern. Nur wenn eine andere Innen-, Außen- und Entwick­lungs­po­litik erreicht wird, kann die Arbeit und damit auch die Eman­zi­pa­tion in Nica­ragua lang­fristig Erfolg haben. Deshalb stand die Zusam­men­ar­beit mit anderen basis­nahen sozialen Bewe­gungen, etwa mit der Frie­dens- und Frau­en­be­we­gung, mit den fort­schritt­li­chen Teilen von gesell­schaft­li­chen Gruppen, Kirchen, Parteien und Verbänden auch bei der lokalen Komi­tee­ar­beit im Vorder­grund.