Solidarität mit den geflüchteten nicaraguanischen Bäuer*innen: Für eine Subsistenzperspektive in Costa Rica

Die bekannte Bauern­füh­rerin Doña Fran­cisca musste im letzten Jahr mit ihrer Familie nach Costa Rica flüchten. Im April berich­tete sie uns in Berlin über die Not der Flücht­linge dort und über ein von ihr mit initi­iertes Selbst­hil­fe­pro­jekt für etwa 100 Campe­si­no­fa­mi­lien, das wir bisher mit 7500 Euro unter­stützt haben.

Doña Fran­cisca ist eine der Anfüh­re­rinnen des Bauern­wi­der­standes im Süden des Landes gegen den geplanten inter­or­zea­ni­schen Kanal und das Gesetz 840, das Enteig­nungen im Zusam­men­hang mit dem Kanalbau lega­li­siert. Seit 2014 haben sie 95 Protest­ak­tionen und Märsche auf Managua orga­ni­siert, um ihr Land zu vertei­digen, Doña Chica, wie sie liebe­voll in Nica­ragua genannt wird, war immer in der ersten Reihe dabei, wurde mehrere Male verhaftet und ständig bedroht. Als die Studie­renden im April 2018 auf die Strasse gingen und brutal unter­drückt wurden, war sie eine der Ersten, die den Kontakt zu ihnen suchte und mit der Bauern­be­we­gung Stras­sen­sperren errich­tete. Nach der “Opera­ción limpieza” musste sie im September 2018 mit ihrer Familie und vielen anderen Campe­sinos nach Costa Rica flüchten.

Sie wurde in La Fonseca in Nueva Guinea geboren, ist 42 Jahre alt und spricht mit klarer und ener­gi­scher Stimme: “Unsere Lage in Costa Rica ist drama­tisch” berichtet sie, “wir finden in den Städten keine Arbeit, haben keinen Platz zum Wohnen, und manchmal haben wir nicht mal etwas zu essen.” Ihre Stimme bricht und unter Tränen erzählt sie, daß Kranke oft nicht in den Gesund­heits­zen­tren behan­delt werden und von den Kindern manchmal Schul­geld verlangt wird. Die Campe­sinos fühlen sich diskri­mi­niert. Auch wenn die Regie­rung Costa Ricas die Flücht­linge soli­da­risch aufge­nommen hat und es viel private Hilfe gibt, reicht es gerade in länd­li­chen Gegenden nicht aus. “Wir brau­chen Land, um etwas anzu­bauen, damit wir uns selbst­ver­sorgen zu können”, sagt sie und so entstand das Projekt “Regre­sando al Campo” für etwa 100 Bauern und Bäue­rinnen und ihre Kinder in der Region Upala in der Nähe der nica­ra­gua­ni­schen Grenze.

    

Dort bear­beiten sie mehrere gepach­tete Fincas und pflanzen Grund­nah­rungs­mittel wie Yucca, Mais, Quequisque und Ayote an sowie Gemüse und Bananen.
Das Projekt schafft gleich­zeitig parti­zi­pa­tive kollek­tive Struk­turen, da alle Mitwir­kenden in einer Art Voll­ver­samm­lung die grund­le­genden Entschei­dungen gemeinsam treffen und so ihre Orga­ni­sie­rung stärken. Darüber­hinaus gilt ein beson­deres Augen­merk der Förde­rung von Frauen, die mit 26 Campe­sinas stark vertreten sind.
Das Gelände ist bereits gerodet, erste Pflan­zungen ange­legt sowie ein Gerüst für ein Haus aufge­baut. 

Weitere Infos über Doña Fran­cisca und zwei weitere Frauen, die das Land ihrer Gemeinden vertei­digen hier (auf Spanisch)

Wir setzen unsere Spen­den­kam­pagne fort und werden weiter berichten.