Damals Begeisterung - Heute Entsetzen (DLF Kultur)

Als die sandi­nis­ti­sche Befrei­ungs­front FSLN am 19. Juli 1979 die Macht in Nica­ragua über­nahm, schauten Linke in aller Welt voller Hoff­nung auf das zentral­ame­ri­ka­ni­sche Land. Die DDR-Regie­rung, aber auch die SPD-geführte Bundes­re­gie­rung unter Helmut Schmidt unter­stützten Nica­ragua mit hohen Summen.
Neben der staat­li­chen Hilfe grün­deten sich in der Bundes­re­pu­blik Hunderte Soli­da­ri­täts­pro­jekte, Tausende Frei­wil­lige reisten nach Nica­ragua, um dort als soge­nannte Briga­disten beim Aufbau des Landes zu helfen. Auch in der DDR gab es einige private Soli­da­ri­täts­in­itia­tiven, die sich dem Einfluss des Staates entzogen. Nica­ragua wurde zur Hoff­nung und Projek­ti­ons­fläche von Linken in Ost und West, der Kauf von Nica-Kaffee zum Symbol der inter­na­tio­nalen Soli­da­rität mit dem Land.
Heute ist von den Idealen der Revo­lu­tion nicht mehr viel übrig geblieben. Revo­lu­ti­ons­führer Daniel Ortega hat sich zu einem auto­ri­tären Herr­scher gewan­delt, der wich­tige Stellen im Staat mit Fami­li­en­an­ge­hö­rigen besetzt, die den Reichtum des Landes unter sich aufteilen.
Demons­tra­tionen gegen eine geplante Renten­re­form ließ er im Früh­jahr 2018 gewaltsam nieder­schlagen, bei den folgenden mona­te­langen Massen­pro­testen gab es laut der Inter­ame­ri­ka­ni­schen Menschen­rechts­kom­mis­sion (CIDH) mehr als 300 Tote. Wohin hat sich die Nica­ragua-Soli­da­rität 40 Jahre nach der sandi­nis­ti­schen Revo­lu­tion entwi­ckelt, ange­sichts der aktu­ellen Krise im Land?

Der Beitrag von Martin Reischke in Deutsch­land­funk Kultur, 10.7.2019

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